Sonntag, 22. November 2009

Nächster Halt: Fjordland

Sonnenaufgang vor unserem Hostel in Te Anau.

Ausgangspunkt für unsere nächste Station, das Fjordland mit seinem berühmten Milford Sound im Südwesten Neuseelands, bildet das kleine Örtchen Te Anau, welches sich an den zweitgrößten See des Inselstaates schmiegt und für viele Wanderer als Basis für Ausflüge in die unberührte Wildnis und die zahlreichen Fjorden dient. Nun da ich das Wandern nach der erschöpfenden Durchquerung des Tongariro Nationalparks gewissermaßen abgeschworen habe, kommt für uns nur eine Erkundung des bekanntesten Fjordes mit dem Auto in Frage. Um zu Fuß zum Milford Sound zu gelangen, wäre man auch mindestens drei Tage unterwegs und, zu den begehrtesten Wanderwegen überhaupt gehörend, muss man sich den Wanderschein mit vierzig zugelassenen Wanderern pro Tag mindestens ein halbes Jahr vorher holen, was für ein Pech aber auch.

Wälder und immer die Berge im Hintergrund - der Fjordland Nationalpark


Von Te Anau bis zum Milford Sound braucht man mit dem Auto zwar immer noch ungefähr zwei Stunden, aber Te Anau bietet zusammen mit dem 30 Kilometer weiter liegendem Te Anau Downs die letzten Schlafmöglichkeiten vor dem Fjord aller Fjorde. Entlang der Strecke gibt es viele Aussichtspunkte und Naturspaziergänge, so dass man, auch wenn man sich gegen das Wandern entschieden hat, einen Blick auf die Schönheit dieser Gegend erhaschen kann. Alles in allem umfasst der Fjordland Nationalpark mit rund 12500 qkm den gesamten Südwesten der Südinsel. Eingeschlossen von bis zu 2700 Meter hohen Bergen beinhaltet der Park alle vierzehn Fjorde, die Neuseeland sein Eigen nennt.

Auf zum Milford Sound!


Die Spiegelseen - eine Attraktion auf der Strecke zum Fjord

Da geht es nicht weiter ...

... oh je, hier müssen wir durchfahren.
Ohne Zweifel zählt der Milford Sound zu den wichtigsten Touristenmagneten Neuseelands und lockt jährlich Zehntausende von Besuchern an. Für wanderfaule Besucher wie uns wird eine Vielzahl von Schiffsausflügen angeboten, wir wählen die zweieinhalbstündige Naturschiffstour und als wir durch den Fjord schippern, bekommen sogar zwei Pinguine zu Gesicht.

Wir haben es geschafft, der 1207 m lange Tunnel ist nicht eingestürzt!
Der Mitre Peak, das Wahrzeichen des Milford Sounds.Ich will das perfekte Photo schießen!Kommt mein Haar auch gut zur Geltung?Das ist er, der berühmte Milford Sound!Hoffentlich kentert das Boot nicht!
Oooohhh, wie niedlich, zwei Pinguine!Seehunde, die ein Sonnenbad genießen.
Der Kea, ein besonders frecher Papageienvogel.

Während Stefan und ich uns in das Herz des Fjordlandes begeben, verfolgen Sebastian und Matthias in Kaikoura, auf der anderen Seite der Alpen, die sich vor der Küste tummelnden Schwarzdelphine und trinken der „Strawberry Tree“ Kneipe das Bier und den Cidre weg.

Ich will auch Delphine beobachten!

Prost!

Freitag, 20. November 2009

Willkommen im Goldgräberland

Mt. Cook & seine BerggesellenNachdem wir bei Fox Glacier den Matheson-See, in dem sich der majestätischen Mt. Cook, Neuseelands höchster Berg, mit seinen mächtigen Gesellen spiegelt, umrandet und ehrfürchtig vor der beeindruckenden Bergkulisse gestanden haben, setzen wir unsere Reise in den Süden fort. Eine Nacht verbringen wir in Wanaka, bevor es weiter nach Arrowtown und Queenstown geht. Lust auf Bungee-Jumping, Rafting, Skifahren, Fallschirmspringen oder Drachenfliegen? In Queenstown alles kein Problem. Eigentlich wollte ich mir das als Paradies für adrenalinsüchtige Rucksacktouristen verschriene Queenstown gänzlich ersparen, aber da es gewissermaßen auf dem Weg liegt, können wir ja mal dort vorbei schauen. Nur übernachten wollen wir dort nicht, aus Angst vor lauten, trinkfreudigen Partytieren, stattdessen haben wir uns ein nettes Hostel in Arrowtown, welches nur einen Steinwurf von Neuseelands „Spaßhauptstadt“ entfernt liegt, ausgesucht.

Da wir vom Tag und der Autofahrt geschafft sind, hauen wir uns am Abend einfach nur in die Liegestühle unseres Hostels in Wanaka und genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Den Donnerstag beginnen wir mit einem Pfannkuchenfrühstück im Kai Whaka Pai Café an Wanakas Uferpromenade. Mmh, lecker!

Hunger, Hunger, Hunger...

ArrowtownIm 1860 gegründeten Arrowtown haben wir zunächst einmal gar kein Auge für die Überbleibsel der chinesischen Siedlung oder seine aus der Pionierzeit erhaltenen Holzhäuser. Der TüV für mein Auto läuft nämlich bald ab und heute wollen wir uns die neue Plakette holen. Da ich von Autos und Motoren keine Ahnung habe, will ich nicht einfach irgendeine Werkstatt aufsuchen, sondern lieber zu einer der nationalen Prüfstationen gehen. Ausgerechnet heute verfolgen noch viele andere Autobesitzer die gleiche Idee und die Autos drängeln sich regelrecht von beiden Seiten in die Überprüfungswerkstatt. Minuten verwandeln sich in Stunden und je länger wir warten, desto nervöser werden wir. Als unser Auto endlich an der Reihe ist, können wir gar nicht zum untersuchenden Mechaniker hinschauen und mein Herz setzt kurz aus, als er mir erklärt, dass mein Auto durchgefallen ist! Rost hat sich wohl durch das Auspuffrohr gefressen und nun sind da drei Löcher, die dort nicht hingehören.

Hoffentlich finden sie nichts!
Glücklicherweise befinden sich in der gleichen Straße ein paar Autowerkstätten und die erste, in die wir reinfahren, hat sogar Zeit und kann die Lecks heute noch reparieren. Wieder einmal müssen wir uns in Geduld üben, ich kann mich gar nicht auf mein mitgebrachtes Buch konzentrieren. Als das Rohr geflickt ist, kehren wir schnell zur Teststation zurück und dieses Mal können wir den neuen Aufkleber in Empfang nehmen. Puh, bin ich froh, dass ich das nicht alleine durchstehen musste.

Jaaaa, hab' die neue Plakette.Zurück in der Goldgräbergemeinde Arrowtown schlendern wir ein wenig durch die Stadt und
kucken uns die chinesischen Siedlung an. Zu Zeiten des Goldfiebers versuchten nämlich auch viele chinesische Schürfer ihr Glück hier.

Hier haben einmal die chinesischen Goldgräber gewohnt.
Unterwegs nach QueenstownAm nächsten Tag steht Queenstown auf unserem Urlaubsplan. 1862 fanden hier zwei Glücksritter Gold am Ufer des Shotover Flusses und setzen damit einen Goldrausch in Gang. Schnell schoss eine Siedlung empor, welche die neuseeländische Regierung sogar als „fit for a queen – für eine Königin angemessen“ empfand und die junge Stadt musste sich um ihren Namen keine Sorgen mehr machen.

Queenstown
Nachdem wir mehr schlecht als recht einen Parkplatz in der Innenstadt ergattert haben, bringen wir erst einmal mein Päckchen mit vielen Büchern und einer Backform für Brownies, die ich mit nach Hause nehmen möchte, zur Post. Stefan hat sich zwar einen funkelnagelneuen Reiserucksack mit großem Volumen und vielen Extrataschen zugelegt, aber da er beim Packen etwas über die Stränge geschlagen und mehr hinein gestopft hat als meine drei angewiesenen T-Shirts, ist jetzt kein Platz mehr für meine Sachen. Ich kann das ja verstehen, mir ging es vor einem halben Jahr trotz guter Vorsätze ebenso. Seit meiner Ankunft in Neuseelands haben sich meine Besitztümer auch noch wie von magischer Hand vermehrt, so dass mein Reiserucksack schon aus allen Nähten platzt und ich glatt noch einen zweiten mit Zeugs und Büchern füllen könnte. Also stehen wir jetzt am Postschalter und geben mein fünf Kilo schweres Päckchen auf, was mich schlappe 100 Dollar kostet, aber Übergepäck würde mein Geldbeutel bestimmt noch viel mehr rupfen. Oh je, wenn Stefan wieder zurückfliegt, brauche ich auf jeden Fall einen Job!

Anschließend bahnen wir uns einen Weg durch die überfüllten Straßen und, wider Erwarten, gefällt mir Queenstown mit seiner Lage am See Wakatipu und seinen niedlichen Häusern ganz gut! Am Nachmittag fahren wir nach Glenorchy, welches schon für manche Filme und Milka-Werbespots als Kulisse erhalten musste.

Glenorchy liegt auch am See.